KNS-Forschungsthemen

Früherkennung

Bereits lange bevor eine schizophrene Erkrankung ihren ersten Höhepunkt erreicht macht sie sich bemerkbar. Bei 75 Prozent der Betroffenen werden schon Jahre zuvor Veränderungen im subjektiven Erleben und Verhaltensauffälligkeiten registriert, jedoch nicht rechtzeitig als Prodrome (Frühsymptome) einer Schizophrenie erkannt. Oft werden sie auch als vorübergehende Krisen, neurotische Konfliktreaktionen und andere psychische Störungsformen fehl gedeutet. Durch eine Optimierung der Früherkennung, d.h. durch das richtige Deuten von Frühsymptomen, die Identifizierung von Personen, bei denen ein hohes Risiko besteht, dass diese eine Schizophrenie entwickelt, erhöht sich die Chance, den Krankheitsverlauf durch frühzeitige Intervention günstig zu beeinflussen. Spezialisierte Früherkennungszentren und wissenschaftlich evaluierte Screeninginstrumente sind wesentliche Voraussetzungen für eine frühe Diagnose.   

Optimierung der Früherkennung und -intervention

  • Entwicklung und Evaluation eines Früherkennungsinventars
  • Biologische Grundlagen des Erkrankungsrisikos
  • Psychologische Frühintervention im Psychosefernen Prodrom
  • pharmakologische und psychologische Frühintervention im psychosenahen Prodrom
  • biologische Grundlagen einer pharmakologischen Frühintervention

 Ersterkrankung

Für Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis werden innerhalb eines Jahres 0,1 pro 1000 Erstmanifestationen angenommen (Jahresinzidenz), die etwa 15% der stationär aufgenommenen schizophrenen Patienten ausmachen. Die klinische Schizophrenieforschung fokussiert seit mehreren Jahren intensiv auf diese Patientengruppe, u.a. in der Annahme, dass in dieser frühen Phase der Erkrankung relevante pathogenetische Prozesse besser identifizierbar und beeinflussbar sind (Keshavan & Schooler 1992).

Patienten mit Erstmanifestation einer Schizophrenie zeigen im Durchschnitt im Vergleich zu mehrfach Erkrankten:

  • eine höhere Ansprechrate auf die antipsychotische Pharmakotherapie (Lieberman JA. et al, 1996; Robinson DG et al, 1999)
  • niedrigere Rückfallraten während der Erhaltungstherapie
  • ein Ansprechen bereits auf eine niedrigere antipsychotische Dosierung und
  • eine höhere Empfindlichkeit für unerwünschte Arzneimittelwirkungen, insbesondere für extrapyramidal-motorische Störungen

   Optimierung der Akutbehandlung bei einer Erstmanifestation

  • Pharmakotherapie der Ersterkrankung
  • Differentialtherapie bei ungünstiger Prognose
  • Leitlinien-gestütztes stationäres Qualitätsmanagement

    Optimierung der Langzeit-Behandlung Ersterkrankter

  • Pharmako-therapeutische Langzeitstrategien
  • Psychologische Interventionsstrategien
  • Prodromgestützte Rezidiv-Prävention und Frühintervention
  • Biologische Grundlagen von Rezidiven

     Optimierung der Rehabilitation residualer Verläufe

  • Pharmakologische Behandlung von Negativsymptomatik
  • Biologische Grundlagen pharmakologischer Interventionen
  • Hirnfunktionale Indikatoren
  • Psychologische Interventionen bei kognitiven und emotionalen Störungen
  • Evaluation arbeitsrehabilitativer Maßnahmen 

Qualitätssicherung

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Erfassung und Optimierung der ambulanten Versorgungspraxis

  • Akutverlauf unter derzeitigen Versorgungsbedingunen
  • Psychosoziale Interventionen in der ambulanten Praxis
  • Behandlungsoptimierung in der Allgemeinarztpraxis
  • Qualitätsmanagement in der Nervenarztpraxis
  • Therapeutisches Drugmonitoring

 

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Stigmatisierung

Weltweit existieren gegenüber psychisch Kranken und insbesondere gegenüber an Schizophrenie Erkrankten negative Vorurteile, die zu Stigmatisierung und Diskriminierung der Erkrankten und deren Angehörigen führen (Crisp et al. 2000, WPA 1998, Link et al. 1989). Im Rahmen der Forschungsprojekte wurden und werden auf wissenschaftlicher Grundlage Interventionen zur Bekämpfung des Stigmas und zur Verbesserung der Situation schizophren Erkrankter entwickelt und durchgeführt werden. Dabei wurden verschiedene zielgruppenspezifische Strategien verfolgt.

Öffentlichkeitsaufklärung: Reduktion von Stigma und Diskriminierung aufgrund von Schizophrenie

Molekular- und Pharmakogenetik

Evaluation von Bedingungsfaktoren und pathogenetischen Mechanismen des Krankheitsverlaufs an repräsentativen Stichproben zur Hirnmorphologie und Molekulargenetik zur künftigen Optimierung von präventiven, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen.