Glossar

Affektivität Das Gefühlsleben des Menschen, das sich in länger anhaltenden Grundstimmungen (Temperament, Gemüt, Stimmung) und kurzfristigen emotionalen Schwingungen (Affekt) ausdrückt.

Affektstörung Störung im Ansprechen auf emotionale Reize und im AUsdruck von Gefühlen.

Akutphase Phase nach Ausbruch der Schizophrenie, in der die Symptome sehr ausgeprägt sind

Anamnese Krankengeschichte

Antipsychotika Gruppe psychoaktiver Medikamente mit antipsychotischer, sedierender (beruhigender/dämpfender) Wirkung, die vor allem zur Behandlung von Psychosen eingesetzt werden (anderer Begriff: Neuroleptika). Man unterscheidet heute sog. „typische“ und „atypische“ A. Die atypischen A. unterscheiden sich von den typischen A. durch den Wegfall von bestimmten Nebenwirkungen, die für frühere A. als typisch angesehen wurden.

Antriebsstörung Steigerung bzw. Verminderung der Fähigkeit und des Willens zur zielgerichteten Aktivität

Compliance Positive oder negative Haltung des Patienten beim Befolgen therapeutischer Anweisungen, z.B. Medikamenteneinnahme

Coping Bewusste oder unbewusste Verhaltensweisen, die entwickelt werden, um mit einer durch eine Erkrankung (z.B. Schizophrenie) oder andere Stressoren veränderten Lebenssituation fertig zu werden (Krankheits- oder Streßbewältigung)

Denkstörung Formale Denkstörung sind Störung in der Produktion, der Organisation oder dem Ablauf des Denkens (abzugrenzen von der inhaltlichen Denkstörung), also z.B. um eine Verlangsamung oder Beschleunigung des Denkens, oder es können verstärkt Ideen auftreten, die ein sprunghaft assoziatives Denken verursachen. Die formale Struktur des Denkens kann gelockert oder ganz aufgelöst sein. Inhaltliche Denkstörungen beziehen sich vor allem auf den Wahn*, aber auch Zwangsgedanken (also Gedanken, die vom Betroffenen als sinnlos erlebt werden, sich ihm aber immer wieder zwanghaft aufdrängen) gehören hierzu.

Depotmedikation Intramuskulär verabreichtes Medikament welches über einen längeren Zeitraum den Wirkstoff freisetzt

Depressive Episode Einzelne Krankheitsphase einer Form der psychischen Störung mit gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und einer Verminderung des Antriebs

DGPPN Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

Dissoziative Störungen Gruppe von Störungen deren allgemeine Kennzeichen der teilweise oder völlige Verlust der normalen Integration von Erinnerungen, des Identitätsbewusstseins, der unmittelbaren Empfindungen und der Kontrolle von Körperbewegungen ist

Dopamin Botenstoff des Gehirns oder Neurotransmitter, dessen gestörte Aktivität nachweislich mit Schizophrenie zusammenhängt

DSM IV Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen in der IV Revision (engl. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders); in den USA verwendetes Klassifikationssystem für psychische Störungen.

DUP Dauer der unbehandelten Psychose (engl. Duration of Untreated Psychosis), möglicherweise ein wichtiger Faktor für die Krankheitsprognose

Edukation siehe Psychoedukation

Exogene Ursachen
Organisch oder körperlich begründbare Ursachen

Halluzinationen Sind Trugwahrnehmungen, also eine Form der Wahrnehmungsstörung, bei der Sinneswahrnehmungen ohne entsprechenden äußeren Reiz auftreten, z.B. Stimmenhören (akustische Halluzination), Sehen von nicht vorhandenen Gegenständen oder Personen (optische Halluzination), Fehlwahrnehmung übler Gerüche (olfaktorische Halluzination) u.a.

Hebephrene Schizophrenie Unterform der Schizophrenie, die vor allem durch Störungen des Antriebs und der Affekte sowie durch formale Denkstörungen charakterisiert ist.

ICD10 Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen in der 10. Revision (engl. International Classification of Diseases); in Deutschland verwendetes Klassifikationssystem für Krankheiten

ICF Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (engl. International Classification of Functioning, Disability and Health) der Weltgesundheitsorganisation. Klassifikation mit deren Hilfe sich die funktionale Gesundheit eines Menschen beschreiben lässt. Nachfolgerin der „Internationale Klassifikation der Schädigungen, Fähigkeitsstörungen und Beeinträchtigungen (ICIDH)“ von 1980

Ich-Störungen Als „Ich-Funktionen“ bezeichnet man das normale Erleben der eigenen Person als von der Umgebung und anderen Personen abgegrenzten Wesen. Bei Ich-Störungen treten Störungen der eigenen Gedanken auf, die als von Fremden beeinflusst oder gemacht erlebt werden. Ferner treten Störungen der Ich-Umwelt-Grenze auf mit dem Gefühl, dass die Umwelt irreal erscheint (Derealisationserleben). Hierzu zählen auch Phänomene wie der Gedankenentzug oder die Gedankeneingebung, bei denen Betroffene die Überzeugung haben, dass ihre Gedanken von anderen entzogen oder eingegeben werden.

Katatonie Eine schwere Störung der Psychomotorik*. Diese Unterform der Schizophrenie äußert sich einerseits z.B. durch eine Verminderung psychomotorischer Funktionen wie monotones Sprechen, deutlich reduzierte Mimik und allgemeiner Bewegungsarmut bei gleichzeitig erhöhtem Grundtonus der Muskulatur. Im Extremfall tritt ein so genannter katatoner Stupor auf, bei der der Patient aufgrund der Bewegungseinschränkungen kaum noch mehr in der Lage ist, sich zu bewegen oder auf die Umwelt zu reagieren. Andererseits kann sich die Katatonie aber auch in Erregungszuständen mit vermehrter Motorik (z.B. Herumlaufen, stereotypes Wiederholen bestimmter Bewegungen u.ä.) äußern.

Klinisch-psychopathologische Diagnosekriterien Beschreibung von Merkmalen die vorhanden sein müssen, um eine bestimmte Diagnose zu stellen

Kognition Unter diesem Begriff werden viele verschiedene Funktionen des Gehirns wie Gedächtnis und Merkfähigkeit, Orientierung in Zeit und Raum, Lernfähigkeit, Abstraktionsvermögen, Lesen, Rechnen, Schreiben, Sprache und Sprachverständnis sowie Konzentration und Aufmerksamkeit zusammengefasst. Kognitive Defizite, also Einbußen in einem oder mehrerer dieser Bereiche der geistigen Leitungsfähigkeit des Gehirns, äußern sich bei an Schizophrenie Erkrankten vor allem in Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit.

Komorbidität Gemeinsames Auftreten von Erkrankungen (z.B. Depression und Angststörung)

Metabolisches Syndrom Gemeinsames Auftreten von Zucker- und Fettstoffwechselstörungen sowie Hypertonie und (bauchbetontes) Übergewicht; entscheidender Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten

Multifaktorielle Genese Nicht auf eine einzigen Ursache zurückführbare, sondern mit mehreren Bedingungen verknüpfte Entstehung einer Erkrankung

Neuroleptika
Frühere Bezeichnung für Antipsychotika (siehe dort).

Neurotische Konfliktreaktionen
(Ausdruck aus der Psychoanalyse) abnorme Erlebnisreaktion auf eine akute oder chronische Belastungssituation

Neurotransmitter
Botenstoff des Nervensystems, der die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn übernimmt.

Orale Applikationsform Verabreichungsform eines Medikaments, das in Form von Tropfen, Tabletten, Kapseln, Dragees über den Mund verabreicht wird

Paranoid-halluzinotorische Schizophrenie Unterform der Schizophrenie, die vorwiegend durch Wahnvorstellungen und/oder Halluzinationen gekennzeichnet ist

Pathophysiologie
Lehre von den gestörten Funktionen im Organismus

Placebo Ein Scheinmedikament, dass der Proband/Patient für echt hältPositiv- und Negativsymptomatik Dichotome Einteilung psychotischer Symptome. Als Positiv- oder Plussymptomatik werden Symptome bezeichnet, die zum üblichen Erleben hinzukommen (z.B. das Hören von Stimmen). Als Negativ- oder Minussymptomatik bezeichnet man Symptome die im Vergleich zum üblichen Erleben reduziert oder nicht vorhanden sind (z.B. eine Sprachverarmung)

Postschizophrene Depression Depression, die im Verlauf der Schizophrenie insbesondere nach Abklingen der akuten Krankheitsphase auftritt

Prägnanztypen
Klinische Querschnittsbilder, die durch bestimmte charakteristische Syndrome gekennzeichnet sind

Prodomalphase Frühphase der Erkrankung vor dem Auftreten spezifischer Symptome bzw. des Vollbilds der Krankheit. Die Diagnose ist deshalb häufig noch nicht gesichert

Psychiatrie-Enquête 1975
von der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages vorgelegter Bericht zur Lage der Psychiatrie in Deutschland. Durch die Psychiatrie-Enquête wurde eine Psychiatrie-Reform angestoßen, die bis heute nicht beendet ist

Psychoedukation
Informationsvermittlung über psychische Störungen

Psychomotorik Motorik bezeichnet die Haltung und Bewegung des Menschen. Unter Psychomotorik versteht man die Gesamtheit der durch psychische Vorgänge beeinflussten Bewegungen (z.B. mimische Bewegungen, ein durch Angst und Unruhe verursachter Bewegungsdrang oder die Bewegungsarmut im Rahmen einer Katatonie*.

Psychopathologie
Psychologische Grundlagenwissenschaft der Psychiatrie. Die allgemeine Psychopathologie beschäftigt sich mit den Erscheinungen eines (krankhaft) veränderten Gefühls- bzw. Seelenlebens. Die spezielle Psychopathologie gibt die Beschreibung und Klassifikation der einzelnen psychischen Störungen und der für sie typischen Symptome

Psychopathologische Exploration Ärztliches Gespräch bei dem aktiv nach dem gesunden und krankhaften Erleben des Patienten gefragt wird.

Psychose Unter diesem Begriff werden heute mehrere psychische Störungen zusammengefasst, bei denen es zu einem Verlust des Realitätsbezugs kommen kann. Dazu zählen die Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis wie die Schizophrenie und die schizoaffektiven Störungen, die organischen Psychosen (z.B. das Delir im Rahmen eines Alkoholentzugs-Syndroms) und die affektiven Psychosen (Depressionen, Manien, und die manisch-depressive Erkrankung). Ursprünglich diente dieser Begriff dazu, diese Erkrankungsgruppe von den „Neurosen“ abzugrenzen. In den modernen Klassifikationssystemen wird der Begriff der Neurose aufgrund der Unschärfe seiner Definition vermieden.

Rehabilitationsmaßnahmen Medizinische, psychotherapeutische, soziale und berufliche Maßnahmen, die nach einer Erkrankung eine medizinische Wiederherstellung, berufliche Wiederbefähigung und soziale Wiedereingliederung zum Ziel haben

Remissionsphase Erkrankungsphase der Schizophrenie, in der die akuten Krankheitssymptome (weitgehend) nachgelassen haben und die Vorbeugung von Rückfällen im Vordergrund steht

Sinnesmodalität Art der Sinneswahrnehmung, z.B. Geruchssinn, Sehvermögen, Hörvermögen, Geschmackssinn, Tastsinn, Temperaturempfinden.

Schizoaffektive Störung (F25) Psychische Erkrankung bei der sowohl affektive als auch schizophrene Symptome in derselben Krankheitsphase auftreten

Stabilisierungsphase Erkrankungsphase der Schizophrenie, in der die Positivsymptomatik abklingt

Suizidalität Selbstmordgedanken oder Selbsttötungshandlungen, die zum Versuch oder vollendetem Suizid führen können.

Symptom Körperliche oder psychische Zeichen einer Erkrankung oder Störung

Synapsen Winzige Zwischenräume zwischen zwei Nervenzellen, in den Neurotransmitter ausgeschüttet werden um Nervensignale zu übertragen

Syndrom Bestimmte Konfiguration von Symptomen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eines gemeinsamen Auftretens

Vegetative Begleitsymptome Symptome die mit einer bestimmten Erkrankung einhergehen und die durch das vegetative (unwillkürliche) Nervensystem hervorgerufen werden (z.B. Blutdruckabfall, Übelkeit etc.)

Vulnerabilität („Verletzlichkeit“) Biologische, psychische oder soziokulturelle Prädisposition für eine Erkrankung

Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell Entstehungstheorie der Schizophrenie (und anderer psychischer Erkrankungen). Annahme, dass die Erkrankung aufgrund einer besonderen (biologischen) Verletzlichkeit entsteht, sofern entsprechende zusätzliche Belastungen (Stressfaktoren) auftreten. Biologische, psychische oder soziokulturelle Bedingungen können sich hierbei auch günstig auswirken (Schutzfaktoren) und die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Erkrankung verhindern oder abschwächen

Wahn Von der Erfahrung unabhängige falsche Überzeugung von der Realität. Entscheidend ist, dass der Betroffene keine äußeren Beweise für seine irrigen Annahmen braucht, und sich auch nicht von besseren Erkenntnissen von den irrigen Vorstellungen abbringen lässt. Entscheidend ist nicht, was im Wahn erlebt wird (der Wahninhalt), sondern die unkorrigierbare Überzeugung der Wahrhaftigkeit des Erlebten, z.B. beim Verfolgungswahn die unkorrigierbare Überzeugung, verfolgt zu werden, obwohl real keine Verfolgung besteht.

WPA Weltverband der Psychiatrie (engl. World Psychiatric Association)

YDL Durch Behinderung beeinträchtigte Lebensjahre (engl. Years of life lived with disability)