Kompaktinformation zur Schizophrenie


Schizophrenie - wenn der Bezug zur Realität verloren geht

Die Schizophrenie ist eine gravierende psychische Erkrankung aus der Gruppe der Psychosen (die durch Fettdruck als Link gekennzeichneten Fachbegriffe werden im Wörterbuch Schizophrenie erläutert). Sie tritt im Laufe des Lebens bei etwa 1% der Bevölkerung auf, aktuell geht man von etwa 800000 Betroffenen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Pro Jahr erkranken rund 13.000 Menschen in Deutschland neu an Schizophrenie.

                         

Symptome - Erscheinungsbild
Bei der Schizophrenie kommt es zu
Störungen im Denken, der Wahrnehmung, der Ich-Funktion, der Affektivität sowie des Antriebs und der Psychomotorik. Im Rahmen der Wahrnehmungsstörungen können Sinnestäuschungen (Halluzinationen) auftreten. Zusätzlich kann es zu Wahn mit wahnhaften Gedanken oder Wahnwahrnehmungen kommen. Die Erkrankung verläuft in Episoden, wobei die letzt genannten psychotischen Symptome in der Akutphase im Vordergrund stehen. Das Erscheinungsbild der Schizophrenie kann dabei sehr vielfältig sein.

Diagnosestellung
Die Diagnose wird anhand von charakteristischen klinischen Leitsymptomen gestellt, die in der Internationalen Krankheitsklassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der so genannte „International Classification of Diseases“, (ICD -10) beschrieben sind. Abhängig vom vorherrschenden Symptombild unterscheidet man bestimmte Unterformen (z.B. die paranoide Schizophrenie). Kommt es zu einer Überschneidung mit anderen psychischen Störungen wie Depression oder Manie, so spricht man von einer schizo-affektiven Störung.

Häufigkeit und Verlauf
Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sind so häufig wie die am meisten verbreitete Form des Rheuma, die chronische Polyarthritis, d.h. etwa jeder Hundertste (d.h. 1% der Bevölkerung) erkrankt zumindest einmal im Leben daran. Die erste psychotische Episode tritt meist zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr auf. Männer erkranken in der Regel etwas früher als Frauen. Bei männlichen Cannabis-Konsumenten treten die ersten Symptome früher auf als bei jungen Männern ohne diesen Substanz-Missbrauch und auch der eigentliche Erkrankungsbeginn ist vorgezogen. Bei Frauen kann es nach der Menopause noch einmal zur Manifestation einer Ersterkrankung kommen. Schizophrenie kommt weltweit in allen Gesellschaftsformen und Kulturen sowie sozialen Schichten in vergleichbarer Häufigkeit vor. Man geht davon aus, dass es in Deutschland pro Jahr zu 13.000 Neuerkrankungen kommt. Schizophrenie kann in unterschiedlichen Schweregraden und verschiedenen Verlaufstypen auftreten. Das Spektrum reicht von einer einmaligen Episode (ca. 20 - 25%) ohne bleibende Einschränkungen bis hin zu chronischen Verläufen – vor allem, wenn zu spät behandelt wird und es in der Folge zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltagsleben kommt.

Ein Begriff sorgt für Verwirrung
Der Begriff Schizophrenie wurde von dem Psychiater Eugen Bleuler (1911) eingeführt und löste den von Emil Kraepelin (1896) geprägten Begriff „Dementia praecox“ ab.  Schizophrenie bedeutet in der wörtlichen Übersetzung „Spaltungsirresein“, was zu Missverständnissen und falscher Verwendung von „schizophren“ in der Alltagssprache geführt hat. Denn Schizophrenie hat nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun, wie sie in „Dr. Jekyll und Mister Hyde“ fiktional verkörpert wird. Der Begriff beschreibt vielmehr das Auseinanderfallen von persönlichem Denken und Wahrnehmen und der Realität.

Ursachen
Warum etwa ein Prozent der Bevölkerung, meist im Alter zwischen der Pubertät und dem dreißigsten Lebensjahr eine solche Psychose entwickelt, ist nicht eindeutig geklärt. Diskutiert wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die in jedem Einzelfall in einer individuellen Kombination zum Ausbruch der Erkrankung führen. In Fachkreisen wird versucht, dieses multifaktorielle Geschehen mit Hilfe verschiedener Modelle, u.a. des Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modells, zu erklären. Dieses geht von einem Zusammenwirken von psychischer Belastung und einer (biologisch/genetisch) begründeten Disposition (Vulnerabilität) aus: Unter Belastung stößt bei einer vorhandenen Disposition (genetisch und/oder psychisch) das individuelle Vermögen belastende Lebensereignisse zu bewältigen, an seine Grenzen und drückt sich dann im psychotischen Erleben aus.


Behandlung
Eine moderne Behandlung basiert auf 3 Säulen: Medikamente, Psychotherapie und Soziotherapie. Je nach dem aktuellen Verlaufsstadium kommen diese Therapien in unterschiedlicher Intensität zum Einsatz. Arzneimittel werden benötigt, um in der Akutphase vor allem die psychotische Symptomatik weitgehend zu reduzieren bzw. zum Verschwinden zu bringen und um in der Folge möglichst einen Rückfall zu verhindern. Mit den heute verfügbaren Medikamenten, so genannten Antipsychotika (manchmal auch Neuroleptika genannt) und einer konsequent durchgeführte Arzneimitteltherapie in Verbindung mit den Behandlungsmöglichkeiten der Psychotherapie und Soziotherapie haben schizophren Erkrankte eine realistische Chance auf ein „normales“ Leben. Dabei ist jedoch nicht ganz auszuschließen, dass eine erfolgreiche Behandlung mitunter mit belastenden Nebenwirkungen verbunden ist und Restsymptome nicht immer ganz verhindert werden können.
Da eine gewisse psychische Über-Sensibilität und mangelnde Bewältigungskompetenz in belastenden Situationen beim Auftreten einer Psychose eine wichtige Rolle spielen, sollte eine seelische Stabilisierung und eine Verbesserung der Fähigkeit zur Stressbewältigung durch eine kognitiven Verhaltenstherapie Teil des Behandlungskonzepts sein. Eine solche Psychotherapie ist erst dann sinnvoll, wenn der Patient wieder in der Lage ist mit dem Therapeuten zusammenzuarbeiten, d.h. wieder hinreichenden Bezug zur Realität hat. Eine Psychotherapie soll auch helfen, die Diagnose zu akzeptieren und zu verarbeiten, das Krankheitserleben zu bewältigen und Strategien im Umgang mit den als Negativ- oder Minussymptome bezeichneten Symptome wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, sozial-kognitive Probleme zu entwickeln. Neuere Studien zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie auch bei Positivsymptomen wirksam ist, wenn diese über die Akutphase hinaus trotz konsequenter Medikamenteneinnnahme fortbestehen. (Psychotherapieforschungsverbund)
Trainingsmaßnahmen zur Verbesserung bzw. weitest gehenden Wiederherstellung der Alltagskompetenz sind nach der akuten Phase ein weiteres wesentliches Element des Therapiekonzepts. Bei der Soziotherapie geht es insbesondere darum, evtl. vorhandene Negativ-Symptome durch psycho-soziale Therapieangebote und Rehabilitationsmaßnahmen günstig zu beeinflussen. Die Verbesserung von Antriebsmangel, sozialen Rückzugstendenzen und Aspekten der Selbstversorgung, die mit einer Schizophrenie einhergehen, können durch derzeit verfügbare Arzneimittel nicht oder nur sehr bedingt beeinflusst werden. Sie sind aber die Grundvoraussetzung für eine berufliche und soziale Reintegration. Daher werden als dritte Therapiesäule neben der Pharmako- und Psychotherapie soziotherapeutische Verfahren in das Behandlungskonzept integriert.

Zur Verarbeitung der gemachten Erfahrung und um zu lernen, wie man mit der Erkrankung lebt, hat sich eine Psychoedukation als hilfreich erwiesen. Hier sind auch die Angehörigen gefragt. Mit Hilfe der Psychoedukation lernt der Betroffene seine Erkrankung zu verstehen und erhält Informationen über die Behandlungsmöglichkeiten. Dabei werden meist in Gruppen von Patienten mit der Diagnose Schizophrenie Informationen zum Krankheitsbild, zur Therapie und zur Früherkennung von Rückfällen vermittelt. So werden Ängste und Unsicherheiten abgebaut.