Ersterkrankung

Landläufig versteht man unter Ersterkrankung die Phase, in der die Diagnose Schizophrenie gestellt wird, sich der Betroffene also erstmals in Behandlung begibt. Dies ist aber nicht unbedingt identisch mit dem tatsächlichen Zeitpunkt des ersten Auftretens der Erkrankung, denn nicht selten bleibt die Störung über einen längeren Zeitraum, u.U. von Jahren, unbehandelt. Diese Phase nennen die Fachleute DUP, was für Duration (Dauer) of (von/der) Untreated (unbehandelten) Psychosis (Psychose) steht. Die Erfahrung zeigt: erst zu dem Zeitpunkt, an dem die charakteristischen Positivsymptome - Wahn, Halluzinationen - überhand nehmen wird dann die Erstdiagnose gestellt.


 Diagnose

 Therapie

Diagnose

Um die Diagnose sicher stellen zu können, wird der Arzt

  • zunächst eine organische Ursache, wie z.B. eine Hirnverletzung, ausschließen. Der Ausschluss einer organischen Ursache bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch biologische Faktoren am Krankheitsgeschehen beteiligt sind.
  • Im nächsten Schritt wird abgeklärt, ob die Psychose durch  Alkohol- oder Drogenmissbrauch hervorgerufen wird. Jedoch ist insbesondere Cannabismissbrauch kein Ausschlusskriterium für Schizophrenie. Im Gegenteil: Diese zusätzliche Suchterkrankung ist zunehmend eher die Regel, was verschiedene Ursachen haben kann. Als gesichert gilt, dass ein gleichzeitig vorliegender Substanzmissbrauch negative Auswirkungen auf den Therapieerfolg und die Prognose hat.
  • Schließlich muss eine diagnostische Abgrenzung von affektiven, "neurotischen" sowie kindlichen Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen erfolgen.
  • Der vierte diagnostische Schritt dient der Differenzierung innerhalb des schizophrenen Spektrums, was für die Prognose und das Therapiekonzept von Bedeutung ist.

Die Diagnose erfolgt anhand definierter klinischer Symptome, die über eine bestimmten Zeitraum bestehen müssen, damit die Diagnose als gesichert gilt. Dabei wird sich der Arzt am allgemein etablierten Diagnosesystems ICD-10 orientieren. Leitsymptome eine schizophrenen Psychose sind:

1.    Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung

2.    Kontroll- oder Beeinflussungswahn; Gefühl der Fremdsteuerung bzgl. Körperbewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen

3.    Kommentierende oder dialogische Stimmen oder andere Stimmen, die aus einem Körperteil kommen

4.    Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer Wahn

5.    Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität

6.    Gedankenabreißen oder -einschiebungen in den Gedankenfluss

7.    Katatone Symptome

8.    Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekt

Um die Diagnose sicher stellen zu können, muss gemäß ICD-10 entweder fast ständig, während mindestens eines Monats zumindest ein eindeutiges Symptom der Gruppe 1 – 4 vorliegen, oder es müssen mindestens zwei Symptome der Gruppe 5 – 8 vorhanden sein.

Therapie

Ist die Diagnose gesichert, wird in der Regel eine medikmentöse Therapie mit Antipsychotika eingeleitet, unter der in den meisten Fällen die psychotische Positivsymptomatik, also Wahnvorstellungen und/oder Halluzinationen bald abklingen oder ganz verschwinden. Erhält ein schizophren Erkrankter erstmals Antipsychotika, so benötigt er erfahrungsgemäß niedrigere Dosierungen, spricht besser auf die Medikamente an, ist aber auch empfindlicher für mögliche Nebenwirkungen. Deshalb ist es wichtig eine individuell abgestimmte Arzneimitteltherapie vorzunehmen. In der Akutphase erfolgt die Therapie häufig stationär.

Nach Abklingen der Positivsymptome werden weitere therapeutische Angebote - Psychoedukation, Psychotherapie, Soziotherapie - gemacht, die dann auch in der Tagesklinik und/oder ambulant erfolgen können.

Die optimale Behandlung einer so genannten Erstmanifestation kann einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Erkrankung haben, weshalb eine konsequente Einhaltung der Therapie und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Therapeuten wichtig ist. Die Einbeziehung von Angehörigen unterstützt den Therapieerfolg.